Dienstag, 29. April 2008

Die Bewohner

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

hallo zäme,
habe so ein paar beobachtungen nieder geschrieben....
keine panik:
personen und handlungen sind natürlich frei erfunden - das hat eigentlich gar nichts zu tun mit euch.... (und es ist wirklich liebevoll gemeint).

grüessli,
dänu

Samstag Morgen, 09.55 im Aufenthaltsraum der WG Suisse.
Christoph & Mätthu sitzen zerknittert auf dem Bett, ein Glas Orangensaft in der Hand. Durstig schütten sie das kühle, für einmal nichtalkoholische Getränk in ihre ausgebrannten Kehlen. Uff, das war wieder ’ne Nacht. Sie reden nicht viel, lächeln einander mitfühlend an, man versteht sich.
Aline kommt hereingestürzt und setzt die gesamte Sippe darüber in Kenntnis, dass „ig när, weisch..ja, und denn..hey, dasch henne cool gsii!“ Sie muss mindestens vor 5 Stunden aufgestanden sein, so wie sie sprudelt, es könnte sich aber auch der Verdacht erhärten, dass diese Frau gar nie schläft.
Im Türrahmen zeigt sich gross und schlank Christopher. Das Halstuch elegant gebunden, weisse Zähne blitzen aus einem breit lachenden Mund, der ein schon fast schweizerisches „Salü zema“ hervorstösst. Die Andeutung von Tränen-, bzw. Schlafsäcken unter den Augen sprechen dabei für sich.
Esra, Ghideon und Hannah sind vertieft in irgendeine Diskussion „ja, und de holsch du blau und geisch wieder, u nach dr zwöite Szene chumi mit gäub und du geisch mit ….“etc.etc.
Hannah möchte der Sache auf den Grund gehen und zwar aus rein tiefenpsychologischer Perspektive: „Loset, jetzt hätti dadezue aber none Fraag“. Es entbrennt eine geradezu philosophische Diskussion, Ghideon nickt und Esra schüttelt ihren Wuschelkopf, während Hannah mit einer weiteren Frage, diesmal einer grundsätzlichen, nachhakt.
Im Nebenzimmer ertönen heisse Salsarhythmen. Innig tanzen sie da, Anne und Tarig – ein eingespieltes Tanzpaar, das sich wiegt und dreht und träppelt und forschen Schrittes durch das gesamte Zimmer fliegt. Traumtänzer im Tanztraum füllen in traumhaftem Tanz den Tanzraum.
Clovis, der für die Technik dieser Spontan-Disco zuständig ist, steht schnippend und hüftswingend dabei – da kommt sein südliches Blut ins Wallen, da plötzlich erschallt seine Stimme, da gibt’s kein Halten mehr – oh Mann, ein Mann wie ein Orkan!
Es ist mittlerweilen 10.01, Caroline schaut etwas verkniffen und aufgeregt auf ihre Uhr. „Jetzt habe ich doch denen eine Mail geschickt – war das nicht klar genug?“ (Sie meint ganz offensichtlich das Thema Pünktlichkeit. Und das betrifft heute seit 70 Sekunden Inès und Mario, wobei letzterer noch einen Besuch beim italienischen Konsulat abstattet. Aber wo steckt Inès?). „Jä nu, mir müesse afah, mer göh mau ufe!“ Der Ton ist eindeutig, da gibt’s keinen Kaffee mehr, keine Zigarette und Clovis, der den Ernst der Lage ganz klar erkannt hat, drückt umgehend die Off-Taste am Gerät. Jetzt gilt’s. Und wie!
Bleibt da jemand sitzen, länger, als erlaubt? Ja, es ist Lydia. Sie schaut verklärt den folgsamen Theaterkolleg/innen nach. Sie kommt von einem anderen Stern, genauer aus Syrien und ist zwar physisch da, die Seele ist noch unterwegs. Jetlag. WG Suisse, was ist das? Sie schleppt ihre Physis nach oben, wo schon alle aufgeregt im grossen Kreis stehen.
„So machet mau e richtige Chreis, das isch ja es Ei!“ Das war Caroline, sichtlich in Hochstimmung heute! Die Nervosität steht ihr im Gesicht geschrieben – hey, noch einen Monat. Der Countdown läuft. Fertig lustig! Klatschrunde, Ha! He! Trrr! Wir sind Profis, es läuft wie geschmiert.
Rohit und Eva haben einen Lachanfall, irgendwas Internes, eigentlich im falschen Moment, denn die Runde hat sich mittlerweilen aufgelöst und schreitet auf Kommando der gestrengen Lehrerin still durch den Raum. Nur Augenkontakt. Das nächste Spiel: Spieler-Namen nennen. Roger zittert, nicht eben seine Stärke, doch er hat genug Zeit, sich eine Person zu merken, ausser irgend jemand schnappt ihm die Person vorher weg. Das ist gerade der Fall. Na gut, er nimmt sein Gegenüber. Nina alias Christine oder war’s umgekehrt? Christine alias Nina? Na egal, er nimmt Medhanje, da hat er sich nämlich eine tolle Eselsbrücke zurechtgelegt. Die kann er. Todsicher!
Inès trippelt die Treppe rauf, entschuldigt sich mit charmantem Lächeln und schaut mit diesem „Was-wird-denn-hier-gespielt“-Blick in die Runde. Ihre Orientierungsphase ist bald einmal abgeschlossen und sie reiht sich in den Kreis ein, diesmal mit dem „Hoffentlich-komme-ich-nicht-gleich-dran-„-Blick.
Bei Nina läuft das alles wie geschmiert. Cool und clever, wie sie ist, spuckt sie die Namen ihrer Gegenüber aus. Null Problemo. Und das ganze mit einem Lächeln. Na, man kennt sich ja aus in solchen Dingen, spielt ja schon lange Theater. Nach dem 17. Durchgang kann übrigens auch Roger endlich aufatmen, er fühlt sich wieder sicher – er weiss jetzt, Nina heisst im richtigen Leben Christine. Oder?
Chuenfen schreitet mit gebündeltem chinesischem Temperament auf Karin zu. Mit grossen Augen und unwiderstehlichem Lächeln stellt sie sich an deren Platz. Chuenfen arbeitet im Moment an einer Gitaristinnen-Karriere. Schon mancher Star hat in der Küche beim Fondue angefangen.
„Karin, die jetzt eigentlich Lina heisst hat die einmalige Aufgabe erhalten, im Theater zu stören. Und wenn sie gefragt wird, was ihre Rolle ist, sagt sie es, mit feurigem Blick: I chume cho stööre! Schnäuer, schnäuer!“
Caroline kommt in Fahrt, klatscht aufgeregt in die Hände. Sie ist jetzt Dompteurin, Dresseurin, zum Glück hat sie keine Peitsche, die Frau!
Roula bestrahlt den Dachstock wie die griechische Sonne, sie bewegt sich gschmeidig und ruhig in der Gruppe. Ihr alter Ego, Elena genannt, macht ganz bemerkenswerte Fortschritte in ihrem Berndeutschkurs – „Heimat, es Schtückli da drvo, fingsch im Böss, ir Migros, im Büro, E Blick, e Gruess, es Lächle oder so u du gschpürsch, du bisch aacho….“

Unten warten bereits die ersten WG-Besucher/innen. Die Nervosität steigt. Caroline sammelt sich und versammelt uns im Kreis. Wir bringen uns mit einer einmaligen Welle in Hochstimmung. Wir sind Pedro, Lisa, Vikram, Margrith, Patricia, Akway, Christine, Patrick, David, Thomas, Sabine, Nan Chien, Elena, Lina, Rosa, Dänu, Medhanie, Asli, Edith, Rodolfo. Wir sind die WG Suisse. Wir sind bereit.

Anonym hat gesagt…

hei mann dänu,
hesch ds viu zyt? suechsch lieber mau dis tassli u zwar nid immer bi mir....

gruess pädi